OpenAI hat ChatGPT dots, dauerhaft laufende Agenten mit eigenem Cloud-Rechner, am 4. November 2026 für berechtigte Enterprise-, Edu- und Healthcare-Workspaces allgemein verfügbar gemacht, wie die Release Notes für ChatGPT Enterprise und Edu festhalten. Bis zum 18. November 2026 läuft eine Vorschau für Admins. Danach haben laut OpenAI alle Mitglieder Zugriff, sofern der Workspace nicht widerspricht.
Kurzfassung
- ChatGPT dots sind laut OpenAI dauerhaft laufende Agenten mit eigenem Cloud-Rechner und Browser, in Enterprise-Workspaces ab dem 4. November 2026 allgemein verfügbar.
- Am 18. November 2026 endet die kostenlose Admin-Vorschau, ab dann gilt der Zugriff standardmäßig und OpenAI beginnt laut Admin-Leitfaden mit der Abrechnung.
- Das betrifft IT-Leitung und Datenschutzverantwortliche in Unternehmen mit ChatGPT Enterprise, die bis zu diesem Tag entscheiden müssen, ob sie dots sperren, begrenzen oder freigeben.
Was ChatGPT dots sind
Laut OpenAIs Produktdokumentation ist ein dot ein Agent, der Arbeit voranbringt und nachfragt, wenn eine Entscheidung ansteht. Er läuft in der Cloud auf einem eigenen Rechner mit eigenem Browser, deshalb arbeitet er weiter, wenn der Computer des Nutzers ausgeschaltet ist. Typische Aufgaben sind Recherche, Datenanalyse, Dokumente entwerfen und Softwarearbeit. Dots halten zwischen Gesprächen den Stand fest, entscheiden selbst, wann sie pausieren und weitermachen, und können mehrere Aufgaben parallel in Hintergrundagenten abarbeiten.
Wie ein klassischer KI-Agent greifen dots auf Anwendungen zu. Sie nutzen dafür Plugins, die für das Konto installiert und freigegeben sind, im Rahmen der bestehenden Rechte des jeweiligen Dienstes. Wer ein Messaging-Konto mit einem dot verbindet, gibt ihm damit noch keinen Zugriff auf andere Apps oder den lokalen Computer.
Außerhalb von Enterprise ist die Lage enger. Die Pro-Tarife mit dots bietet OpenAI laut Dokumentation nicht im Europäischen Wirtschaftsraum, in der Schweiz und in Großbritannien an, Business Premium gilt in unterstützten Regionen. Für europäische Unternehmen läuft der offizielle Weg deshalb zunächst über Enterprise, Edu und Healthcare.
Was am 18. November passiert
Der Admin-Leitfaden nennt den Ablauf. In der kostenlosen Vorschau schalten Owner und Admins dots für ausgewählte Rollen frei. Ab dem 18. November 2026 haben Mitglieder berechtigter Workspaces Zugriff, sofern der Workspace nicht widerspricht. Niemand bekommt automatisch einen dot: Jedes Mitglied entscheidet selbst, ob es einen persönlichen dot anlegt.
Mit dem Stichtag beginnt laut Leitfaden die Abrechnung für freigeschaltete dots. Berechtigte Enterprise-Workspaces können zwischen einer Pauschale je nach Art der Arbeit und verbrauchsabhängiger Abrechnung wählen. Aufgaben, die ein dot an Work oder Codex weitergibt, rechnet OpenAI separat zu den üblichen Sätzen ab. Preise nennt der Leitfaden nicht. Dazu kommt der Hinweis, dass Workspaces mit Datenresidenz oder Inferenzresidenz in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht berechtigt sind.
Wer dots nutzen darf
Vier Berechtigungen steuern den Zugriff in der Admin-Konsole: „Use dots“, „Add dots to Slack and Microsoft Teams“, „Allow local computer access“ und „Use custom rules for dots“. Der Zugriff auf den lokalen Computer braucht laut Leitfaden ein eigenes Opt-in der Admins. Für die Cloud-Rechner gibt es zusätzlich Schalter für Browser, Netzwerkzugriff, Computernutzung und Passwortmanager.
Eine Falle steckt in der Rollenlogik: Gewährt irgendeine der Rollen eines Mitglieds den Zugriff, bleibt er bestehen, auch wenn eine andere Rolle ihn entzieht. Wer begrenzen will, lässt die Voreinstellung des Workspaces ausgeschaltet und vergibt „Use dots“ über eine eigene Rolle an ausgewählte Gruppen. Wer entziehen will, entfernt jede einzelne Zuweisung. Der Entzug blendet den dot aus, pausiert ihn und beendet die Abrechnung, bei erneuter Freigabe kehrt er zurück.
Owner und Admins können laut Release Notes persönliche dots samt Verbindungen einsehen, sie pausieren und wieder starten, Nutzung und Admin-Aktivität prüfen und dots löschen. Weil damit Aktivität einzelner Beschäftigter sichtbar wird, gehört der Betriebsrat früh dazu, bevor die Einführung beginnt.
Datenschutz: Was dots liefern und was nicht
Für Enterprise-Workspaces unterstützt OpenAI laut Sicherheitsleitfaden Datenspeicherung in Europa (EWR und Schweiz) und Inferenzresidenz in den USA und in Europa. Die Inferenzresidenz umfasst allerdings nur die Modellverarbeitung, nicht jeden Verarbeitungsschritt und keine Drittanbieter-Integrationen. Dazu kommt Enterprise Key Management für unterstützte Inhalte im ruhenden Zustand. Enterprise-Daten dienen standardmäßig nicht dem Modelltraining. Wie belastbar solche Zusagen sind, trennt der Beitrag KI und EU-Datenresidenz in vier einzelne Fragen.
Drei Grenzen nennt OpenAI selbst. Erstens bieten weder dots noch die Arbeit mit lokalem Computerzugriff strikte Zero Data Retention. Zweitens kann Code auf dem Cloud-Rechner eines dots Zugangstoken oder Cookies lesen, wenn sie ihm zugänglich sind, eine Isolierung der Sitzung sollte niemand annehmen. Drittens hält die Compliance-Protokollierung Ereignisse nur 30 Tage vor, längere Aufbewahrung braucht einen Export.
Die Anmeldungen am Laptop oder im VPN gelten für den Cloud-Browser nicht: Er führt eigene Cookies und sieht das Firmennetz nicht. Für die Anbindungen der Dienste an den dot und die Weitergabe personenbezogener Daten gelten die üblichen Regeln: ein abgeschlossener Auftragsverarbeitungsvertrag mit OpenAI und die Grundlagen der datenschutzkonformen KI.
Freigaben vor Handlungen nach außen
Laut Produktdokumentation prüft vor jeder Handlung, die Konten betrifft oder Informationen teilt, eine automatische Kontrolle, ob der dot fortfahren darf, eine Freigabe braucht oder den Schritt an den Menschen übergeben muss. Owner können eine einzelne Aktion samt Empfängern und Zeitplan vorab genehmigen, bei geänderter Zielgruppe, geändertem Inhalt oder Zeitpunkt braucht es eine neue Freigabe. Eigene Regeln können einen Freigabeschritt ergänzen, aber keine Rechte einräumen, die das verbundene Konto nicht hat.
Die vorausschauende Recherche eines dots ist laut OpenAI schreibgeschützt: Sie kann weder Nachrichten senden noch einen Browser oder Computer steuern. Folgeaktionen brauchen die jeweiligen Berechtigungen. Einschränkend räumt der Sicherheitsleitfaden ein, dass die Abdeckung der automatischen Prüfung bei Browser-, Desktop- und delegierten Aktionen noch untersucht wird. Eine Freigabe, die nur ein Klick auf „Ausführen“ ist, ersetzt keine eng gezogenen Rechte der angebundenen Konten.
Claude Duet im Vergleich
Anthropic bietet mit Claude Duet seit Oktober 2026 einen ähnlichen Ansatz als Forschungsvorschau an. Laut Anthropic liest und entwirft Duet selbständig, zeigt aber vor Senden, Zahlen, Unterschreiben und Löschen die geplante Aktion und wartet auf Freigabe. Der Zugang läuft über eine Warteliste für Nutzer in den USA mit Pro, Max oder Ultra, Angaben zur EU macht die Seite nicht. Für ein deutsches Unternehmen ist Duet damit derzeit keine Option.
Die Entscheidung vor dem 18. November
Drei Wege stehen offen, und jeder lässt sich vor dem Stichtag einstellen.
- Sperren. Lass die Voreinstellung für „Use dots“ im Workspace ausgeschaltet und vergib keine Rolle mit dieser Berechtigung. Freigeben lässt sich später jederzeit.
- Auf eine Gruppe beschränken. Vergib „Use dots“ über eine eigene Rolle an eine kleine Pilotgruppe, schalte Slack, Teams und lokalen Computerzugriff aus und prüfe die Cloud-Rechner-Schalter. Kontrolliere vorher, dass keine andere Rolle den Zugriff weitergibt.
- Freigeben. Dann gehören vorher geklärt: Datenresidenz und Schlüsselverwaltung aktiv, Auftragsverarbeitungsvertrag abgeschlossen, Protokolle exportiert, Abrechnungsmodell gewählt und die Beschäftigten informiert, welche Dienste sie anbinden dürfen.
Welche Datenklassen ein dot sehen darf, regelt die interne Richtlinie, die ChatGPT datenschutzkonform nutzen beschreibt.
Einordnung
Dots verschieben das Risiko von der einzelnen Frage im Chat auf einen Agenten, der Konten verbindet und im Hintergrund arbeitet. Das Grundmuster ist aus anderen Agenten bekannt: Entscheidend sind eng geschnittene Rechte der angebundenen Dienste, nicht das Versprechen eines Anbieters. Der Standard ab dem 18. November sollte deshalb nicht kommentarlos greifen, sondern eine kleine Gruppe beginnen, deren Anbindungen sich überblicken lassen. Ob dots den Aufwand wert sind, zeigt sich erst, wenn OpenAI Preise nennt und die Abdeckung der automatischen Prüfung belegt.