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RA-MICRO KI: Was JURA KI, KI-Widget und eine lokale KI leisten

Die beiden zentralen KI-Werkzeuge von RA-MICRO verarbeiten Texte außerhalb der Kanzlei. Wie eine lokale KI über E-Akte und Posteingang andocken kann.

Andre Loreth8 Min. Lesezeit
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Eine Ablage mit einem Blatt und angehefteter Karte ist über eine Schiene mit einem kleinen Gerät verbunden, das wiederum an einem Aktenordner hängt

RA-MICRO wirbt auf der eigenen Startseite mit „Kanzleisoftware mit künstlicher Intelligenz“. Hinter der RA-MICRO KI stehen vor allem zwei Werkzeuge: das KI-Widget, das Anfragen auf Servern in Europa bearbeitet, und der JURA KI Assistent, der Texte lokal anonymisiert und dann an ein externes Sprachmodell schickt. Ganz in der Kanzlei bleibt die Verarbeitung bei keinem der beiden.

Kurzfassung

  • RA-MICRO bietet Stand November 2026 das KI-Widget und den JURA KI Assistenten an, beide verarbeiten die eigentliche Aufgabe außerhalb der Kanzlei.
  • Der JURA KI Assistent anonymisiert Texte lokal und schickt sie dann über einen eigenen API-Schlüssel an Anbieter wie OpenAI, Anthropic oder Google.
  • Das betrifft Kanzleien, die RA-MICRO auf eigenem Server betreiben und eine KI wollen, die auch den Sachverhalt im Haus verarbeitet.

Welche KI RA-MICRO heute anbietet

Auf der Seite Arbeiten mit KI listet RA-MICRO im November 2026 mehrere Angebote. Das KI-Widget ist direkt in die Kanzleisoftware eingebaut. Es soll einzelne Dokumente und ganze Dokumentenbündel aus der E-Akte analysieren, Akten zusammenfassen, Fristen herausziehen und aktenbezogene Schriftsätze entwerfen. Dazu kommt eine Rechtsprechungsdatenbank mit laut Hersteller über 800.000 Gerichtsentscheidungen.

Zum Ort der Verarbeitung schreibt RA-MICRO, das KI-Widget bearbeite Anfragen „auf Servern innerhalb Europas“. Welcher Hosting-Anbieter und welches Sprachmodell dahinterstehen, nennt die Produktseite nicht, ebenso wenig Aufbewahrungsfristen oder eine Option für den Betrieb in der Kanzlei.

Daneben stehen der JURA KI Assistent, der KI Mandat Scout als Chatbot für die Kanzlei-Website und ein KI Fristenassistent als App für iPhone und iPad. Auf der Startseite kündigt RA-MICRO außerdem ein „RA-MICRO KI-Modul“ als „demnächst“ an. Was dieses Modul können soll und wo es rechnet, beschreibt der Hersteller bisher nicht.

JURA KI: lokal anonymisiert, extern verarbeitet

Der JURA KI Assistent trennt die Verarbeitung in zwei Schritte: Namen und Kennungen werden auf dem eigenen Rechner entfernt, die eigentliche Aufgabe erledigt ein externes Sprachmodell. Er stammt von der Jurasoft GmbH in Berlin, die laut Impressum zur RA-MICRO-Unternehmensgruppe gehört. In RA-MICRO startet er über das Symbol im Bereich „PD Recht“, außerdem gibt es eine eigenständige Version für Windows und macOS.

Der Ablauf steht in der Anleitung Erste Schritte von Jurasoft (Stand 26. Oktober 2026). Ein mitgeliefertes Modell anonymisiert den Text direkt auf dem Gerät, „ohne dass Daten an externe Server übermittelt“ werden. Die anonymisierte Aufgabe geht dann per API an ein externes Sprachmodell. Dessen Antwort wird lokal aufbereitet und deanonymisiert, zitierte Vorschriften und Urteile prüft ein eigenes Modul.

Für den Betrieb braucht die Kanzlei laut Einrichtungsseite einen eigenen API-Schlüssel bei Claude, Google, Mistral, OpenAI oder Perplexity, abgerechnet wird nach den Preisen des jeweiligen Anbieters. Dazu kommen Rechner mit mindestens 16 GB Arbeitsspeicher, empfohlen sind 32 GB. Ein lokal betriebenes Sprachmodell für die eigentliche Aufgabe nennt die Seite nicht.

Eine Grenze hat das Verfahren trotzdem: Die Anonymisierung ersetzt Namen und Kennungen, den Sachverhalt selbst schickt sie an den externen Anbieter. Ob ein Mandat trotzdem erkennbar bleibt, etwa bei einem ungewöhnlichen Fall aus einer kleinen Stadt, hängt vom Einzelfall ab und muss die Kanzlei für ihre Verschwiegenheit selbst bewerten.

Wo RA-MICRO betrieben wird

Für eine lokale KI ist entscheidend, wo die Akten liegen. RA-MICRO bietet die Kanzleisoftware laut Startseite „in der Cloud oder on-premises“ an. Die Onlinehilfe zur E-Akte 2 beschreibt, dass alle Akten „in elektronischer Form auf den Kanzleirechnern verfügbar“ sind.

Anders bei RA-MICRO Essentials, der Variante für den Browser. Sie läuft beim Hersteller in einem deutschen Rechenzentrum, den Listenpreis nennt RA-MICRO mit 25 Euro je Nutzer und Monat für die Lizenz plus 25 Euro je Nutzer und Monat für das Hosting (Stand: November 2026). Steht RA-MICRO auf dem eigenen Server, liegen Akten und ein KI-Gerät im selben Netz. Bei Essentials braucht eine lokale KI erst einen Weg zu den Dokumenten.

RA-MICRO E-Akte: was sich exportieren lässt

Die Onlinehilfe zur E-Akte beschreibt Schnittstellen zu Scanner, Outlook, WebAkte, beA und den RA-MICRO-Apps. Eine Programmierschnittstelle, über die eine fremde Anwendung Akten liest oder Dokumente ablegt, kommt dort im November 2026 nicht vor, und auch die Website nennt keine. Eine lokale KI nutzt deshalb die Import- und Exportfunktionen der E-Akte.

Der wichtigste Lesezugriff ist die Funktion PDF E-Akte. Sie wandelt ausgewählte E-Akten in ein Gesamt-PDF um und legt es in einem festgelegten Zielverzeichnis ab, auf Wunsch mit Passwort. Für Terminsakten lässt sich der Export bis zu sieben Tage im Voraus ziehen, auch für alle Termine eines Benutzers. In der E-Akte 2 können Akten, Dokumente oder Unterordner zusätzlich „in ein Dateiverzeichnis übergeben werden“.

Damit kann eine KI im Büro arbeiten. Sie liest die Terminsakten der kommenden Woche und beantwortet Fragen dazu mit Seitenangabe, bevor jemand zum Gericht fährt. Das Gesamt-PDF zeigt die Akte so, wie sie beim Erstellen war. Ein Schriftsatz, der am Vorabend eingeht, fehlt darin, bis das PDF neu erzeugt wird.

Posteingang über die XML-Scannerschnittstelle

Für den Weg in RA-MICRO hinein beschreibt die Onlinehilfe unter Karteikarte Scanner eine XML-Scannerschnittstelle. Zu jedem gescannten Dokument liegt im selben Importordner eine XML-Datei mit gleichem Namen, etwa „Klageschrift.pdf.xml“. Darin stehen unter anderem Aktennummer, Dateiname, Datum und Bemerkung. RA-MICRO übernimmt diese Angaben zusammen mit dem Dokument in den Posteingang, niemand muss sie abtippen.

Gedacht ist die Schnittstelle für Scanner, die solche Metadaten selbst erzeugen. Dieselbe Datei kann auch eine KI erzeugen, nachdem sie im Brief Aktennummer und Datum gefunden hat. Ob RA-MICRO eine andere Quelle als einen Scanner dort ausdrücklich unterstützt, steht nicht in der Onlinehilfe und gehört mit dem RA-MICRO Vor-Ort-Partner geklärt, der laut Onlinehilfe auch die Scanner einrichtet.

Ohne XML-Datei bleibt der einfache Weg. Über „Dokumente importieren aus Verzeichnis“ holt RA-MICRO Dateien aus einem Ordner, die Zuordnung zur Akte macht dann ein Mensch. Fristen trägt keiner der beiden Wege ein. Fristen herausziehen kann auch das KI-Widget, dann aber auf Servern in Europa. Die lokale KI hängt ihren Fristvorschlag an das Dokument im Posteingang, und wer in der Kanzlei die Fristen führt, prüft ihn dort und trägt ihn ein.

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So sieht das aus

RA-MICRO und beA

Das beA ist Teil des E-Workflows aus Posteingang, E-Brief und Postausgang. Laut Onlinehilfe zur beA-Schnittstelle ermittelt RA-MICRO über die KSW-Schnittstelle der Bundesrechtsanwaltskammer, welche Zertifikate zu welchen Postfächern gehören. Jedes beA-Postfach hängt an einem Eingangsfach, bei Softwarezertifikaten ruft RA-MICRO Nachrichten automatisch ab. Vor dem Versand prüft der Postausgang unter anderem Signatur, Empfänger, Größe der Anlagen und Aktennummer.

Angeforderte elektronische Empfangsbekenntnisse markiert RA-MICRO in Posteingang, E-Akte und Postkorb rot, die Antwort geht in den beA-Postausgang. Eine automatische Zuordnung eingehender beA-Nachrichten zur Akte anhand des Aktenzeichens beschreibt die Seite nicht. Eine Stelle, an der fremde Software beA-Nachrichten abholen könnte, dokumentiert RA-MICRO ebenfalls nicht. Eine lokale KI arbeitet deshalb mit dem, was nach dem Eingang in der E-Akte liegt.

Outlook, Word und Diktat

E-Mails kommen in RA-MICRO über die „RA-MICRO Outlook Datenschnittstelle“ in die E-Akte, ein- und ausgehend, oder per Drag and Drop aus dem Outlook-Posteingang. Schriftsätze entstehen in Word, von dort gehen sie laut Onlinehilfe auch direkt in den beA-Postausgang. Zum Speichern über die Datenschnittstelle gehört eine Akte. Welche das ist, kann eine lokale KI aus Betreff, Absender und Anhang ableiten und als Vorschlag anzeigen, gespeichert wird weiter über die Outlook Datenschnittstelle.

Beim Diktat setzt RA-MICRO auf DictaNet, laut Produktseite zur E-Akte über eine eigene Schnittstelle in den E-Workflow eingebunden. Eine lokale KI kann das Diktat mitschreiben und daraus einen Briefentwurf machen, der in die Word-Vorlage der Kanzlei eingefügt wird. Einen dokumentierten Weg, den Entwurf direkt in die Dokumenterzeugung von RA-MICRO einzuspielen, gibt es nicht. Der letzte Schritt ist ein Einfügen oder ein Import in die E-Akte.

Was eine lokale KI anders macht

Die Werkzeuge von RA-MICRO und eine lokale KI unterscheiden sich vor allem darin, wo das Sprachmodell rechnet. Beim KI-Widget sind es Server in Europa, beim JURA KI Assistenten der externe Anbieter, dessen API-Schlüssel die Kanzlei hinterlegt. Steht das Gerät dagegen im Büro, verlassen weder Namen noch Sachverhalt die Kanzlei, eine Anonymisierung ist dafür nicht nötig.

Dafür bringt RA-MICRO etwas mit, das ein Gerät in der Kanzlei nicht ersetzt: die Rechtsprechungsdatenbank und die Prüfung zitierter Fundstellen. Beides schließt sich nicht aus. Eine Kanzlei kann Recherche mit anonymisierten Texten über JURA KI erledigen und Posteingang, Akte und Diktat lokal verarbeiten lassen. Wartung aus der Ferne setzt bei diesem Angebot eine Freigabe der Kanzlei voraus. Wie der Weg bei einer anderen Kanzleisoftware aussieht, zeigt der Beitrag über Advolux und lokale KI, die berufsrechtliche Einordnung insgesamt der Beitrag KI für Rechtsanwälte.

Was jetzt zu tun ist

  1. Sieh in den Allgemeinen Einstellungen nach, ob bei dir die E-Akte oder die E-Akte 2 aktiv ist, und ob RA-MICRO auf eigenem Server oder als Essentials läuft.
  2. Erzeuge mit PDF E-Akte die Terminsakten der nächsten Woche in ein Testverzeichnis und prüf, ob alle Schriftsätze darin enthalten sind.
  3. Lass dir vom RA-MICRO Vor-Ort-Partner die Beispiel-XML der Scannerschnittstelle geben und frag, ob eine andere Quelle als der Scanner sie liefern darf.
  4. Leg fest, welche Mandate über das KI-Widget oder den JURA KI Assistenten laufen dürfen, und welche wegen des Sachverhalts im Haus bleiben.
  5. Fang mit den Terminsakten an: Den Export gibt es schon, und vor dem nächsten Gerichtstermin zeigt sich schnell, ob die Antworten der KI stimmen.

Dieser Artikel ist mit Unterstützung künstlicher Intelligenz entstanden. Bei dem, was wir hier machen, wäre alles andere seltsam gewesen.

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RA-MICRO bietet Stand November 2026 mehrere KI-Werkzeuge an, vor allem das KI-Widget in der Kanzleisoftware und den JURA KI Assistenten. Das KI-Widget verarbeitet Anfragen laut Hersteller auf Servern innerhalb Europas. Der JURA KI Assistent anonymisiert Texte lokal und gibt sie dann an ein externes Sprachmodell weiter.

Der JURA KI Assistent ist ein Programm der Jurasoft GmbH, die zur RA-MICRO-Unternehmensgruppe gehört. Es anonymisiert Texte mit einem mitgelieferten Modell auf dem eigenen Rechner und schickt die Aufgabe dann über einen eigenen API-Schlüssel an Claude, Google, Mistral, OpenAI oder Perplexity. Die Antwort wird lokal wieder deanonymisiert.

RA-MICRO nennt im November 2026 weder auf der Website noch in der Onlinehilfe eine Programmierschnittstelle für fremde Anwendungen. Beschrieben sind dort dagegen eine XML-Scannerschnittstelle für den Posteingang, der Export von Akten als PDF und die Outlook Datenschnittstelle für E-Mails.

RA-MICRO wirbt damit, dass die Kanzleisoftware in der Cloud oder on-premises betrieben werden kann. Die browserbasierte Variante RA-MICRO Essentials beschreibt der Hersteller dagegen nur als Cloud-Angebot in einem deutschen Rechenzentrum.

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