Google hat am 28. Oktober 2026 Gemini 4 Carbon vorgestellt und nennt es sein bislang stärkstes Modell. Zugang haben laut Googles Ankündigung zunächst nur ausgewählte Cyberabwehr-Teams. Entwickler und Unternehmen sollen später folgen, ein Datum fehlt. Für den Mittelstand heißt das: Carbon lässt sich noch nicht einplanen, Gemini 4 Argon dagegen schon.
Kurzfassung
- Google hat Gemini 4 Carbon am 28. Oktober 2026 vorgestellt, zugänglich ist es zunächst nur für eine Teilgruppe von Cyberabwehr-Teams.
- Der Einführungspreis liegt laut Google bei 2 und 10 US-Dollar je 1 Million Token, danach bei 4 und 20 US-Dollar (Stand: November 2026).
- Das betrifft Unternehmen, die auf Gemini setzen oder einen Modellwechsel planen, denn EU-Hosting und freier Zugang sind für Carbon noch nicht belegt.
Wer Zugang hat
Koray Kavukcuoglu, bei Google DeepMind für die KI-Architektur zuständig, schrieb in der Ankündigung, Carbon stehe „starting this week“ einer Teilgruppe von Cyberabwehr-Teams zur Verfügung. Weitere vertrauenswürdige Partner sollen schrittweise über das Fairwind-Programm folgen. Entwicklern, Unternehmen und Verbrauchern will Google das Modell erst geben, wenn es Rückmeldungen gesammelt und die Schutzmechanismen nachgebessert hat. Ein Termin steht nicht im Text.
Das Fairwind-Programm richtet sich laut Google vorrangig an Regierungen und nationale Cyberbehörden, Betreiber kritischer Infrastruktur, große Technologieplattformen und Forschungslabore für Cyberabwehr. Wer teilnehmen will, wendet sich an sein Google-Cloud-Team, Google prüft die Bewerber. Das Programm nennt nach eigenen Angaben mehr als 650 Partner. Auf der Programmseite ist allerdings nur Gemini 4 Argon als abgedecktes Modell genannt, Carbon erwähnt sie nicht.
Auch die Entwicklerseiten zeigen noch keinen Zugang. Im Changelog der Gemini API und in der Modellliste steht weiterhin nur Argon als einziges Gemini-4-Modell (Stand: 8. November 2026). Andre Loreth hält es deshalb für verfrüht, Carbon in einen Ablauf einzuplanen.
Was Google über Carbon sagt
Google nennt Carbon sein stärkstes Modell mit führenden Fähigkeiten in Cybersicherheit und bei langen Aufgaben. Die Zahlen unten sind Herstellerangaben, die Google selbst ohne Schutzmechanismen gemessen hat, wie die Ankündigung festhält:
- SEC-bench Pro (Schwachstellen finden): 88,2 Prozent
- ExploitGym (Schwachstellen ausnutzen): 54,8 Prozent
- CWE-bench (Schwachstellen beheben): 71,0 Prozent, Argon kam in Googles Tabelle zum Start auf 68
- Gray Swan, Angriffe per Prompt Injection: 0,0 Prozent Erfolgsquote, bei Argon waren es 0,7 Prozent
Intern sieht Google bei sicherem Code mehr als doppelt so viele Erfolge wie bei Argon. Dazu zitiert Google die Rangliste von Artificial Analysis, auf der Carbon mit 59 Punkten vorn liegen soll. Diese Angabe ist ungeprüft, wir nutzen sie nicht weiter. Das Kontextfenster nennt Google nicht. Der Vals-Eintrag führt 1 Million Token (Stand: 5. November 2026).
Preis und Einführungsphase
Der Einführungspreis beträgt laut Google 2 US-Dollar für die Eingabe und 10 US-Dollar für die Ausgabe je 1 Million Token, zwischengespeicherte Eingaben kosten 95 Prozent weniger. Danach gelten 4 und 20 US-Dollar, die Dauer der Einführungsphase nennt eine Fußnote der Ankündigung nicht. Damit ist Carbon zum Einführungspreis so teuer wie Argon und danach so teuer wie Claude Opus 5.5.
Die Preisseite führt Carbon bislang nicht. Das erklärt einen scheinbaren Widerspruch in Berichten: Das Portal Vals.ai listet 4 und 20 US-Dollar, also den späteren Preis, während andere Medien 2 und 10 US-Dollar nennen. Beides stammt aus derselben Ankündigung. Für Argon endet der Einführungspreis laut Preisseite am 30. November 2026. Für Carbon fehlt eine solche Angabe, rechne deshalb mit 4 und 20 US-Dollar.
Unabhängige Messungen
Zwei Ranglisten stützen Googles Bild, mit Vorbehalt. Im Vals Index steht Carbon auf Platz zwei von 34 Modellen. Der Abstand zu den Nachbarn liegt innerhalb der Messunsicherheit von Carbon (plus/minus 0,97 Punkte):
| Modell | Vals Index | Kosten je Test | Platz |
|---|---|---|---|
| Claude Sonnet 5.5 | 70,85 % | 16,18 USD | 1 |
| Gemini 4 Carbon | 70,45 % | 10,51 USD | 2 |
| Claude Opus 5.5 | 70,18 % | 24,77 USD | 3 |
| Gemini 4 Argon | 69,24 % | 13,37 USD | 4 |
| GPT-6 Astra | 65,02 % | 21,28 USD | 6 |
Quelle: Vals.ai, Stand 5. November 2026. Platz fünf belegt ein hier nicht gezeigtes Modell. Kosten je Test laut Vals beim jeweiligen Listenpreis, für Carbon also zu 4 und 20 US-Dollar.
In der LMArena-Textrangliste führt Carbon (High) mit 1.526 Punkten bei einer Unsicherheit von plus/minus neun, auf Basis von 4.483 Stimmen und laut LMArena vorläufig. Gemini 4 Argon folgt mit 1.523, Claude Opus 5.5 liegt mit 1.505 auf Platz vier (Stand: 6. November 2026). Carbon und Argon sind damit statistisch kaum zu trennen.
Andre Loreth liest daraus: Carbon ist stark, aber kein Sprung, der einen Wechsel von Argon oder Opus 5.5 rechtfertigt. Interessant ist der Preis pro Aufgabe. Im Vals Index kostet ein Test mit Carbon weniger als die Hälfte eines Tests mit Opus 5.5, obwohl beide denselben Listenpreis haben. Ob das auf deine Abläufe übertragbar ist, zeigt nur eine Messung am eigenen Ablauf.
EU-Verarbeitung über Vertex AI
Für Unternehmen in der EU zählt der Verarbeitungsort. In Googles Dokumentation zur Datenresidenz ist Gemini 4 Carbon nicht gelistet, Gemini 4 Argon dagegen für die EU-Multiregion (Stand: 8. November 2026). Solange Carbon dort fehlt, gibt es für das Modell keine dokumentierte EU-Zusage. Welche Zusagen sich bei den Anbietern unterscheiden, erklärt der Beitrag KI und EU-Datenresidenz.
Was jetzt zu tun ist
- Plane mit Gemini 4 Argon, wenn du ein Google-Modell der oberen Klasse brauchst. Details stehen im Beitrag zu Gemini 4 Argon.
- Prüfe vor jedem Einsatz die Vertex-Dokumentation zur Datenresidenz, bevor du ein neues Modell mit Kundendaten befüllst.
- Rechne mit 4 und 20 US-Dollar je 1 Million Token, nicht mit dem Einführungspreis.
- Miss Token-Verbrauch und Fehlerquote an einem eigenen Ablauf, bevor du Modelle wechselst.
Einordnung
Google hat Carbon absichtlich nur für Cyberabwehr freigegeben, und die ausführlichsten Herstellerzahlen stammen aus diesem Bereich. Die unabhängigen Ranglisten zeigen ein Spitzenmodell, das eng bei Claude Sonnet 5.5, Opus 5.5 und Argon liegt. Für die Wahl eines Modells im Mittelstand bleibt der Hosting-Pfad wichtiger als das letzte Prozent Benchmark.
Einen Überblick über Preise und EU-Pfade der aktuellen Modelle gibt der LLM-Vergleich für Unternehmen.