Microsoft bündelt seine KI für Power Automate in zwei Bausteinen: AI Builder für vorgefertigte Modelle und Copilot für Flows per Spracheingabe. Für Unternehmen mit bestehender Microsoft-365-Lizenz ist Power Automate KI damit oft schon vorhanden, ohne neue Anbieterwahl. Zum 1. November 2026 ändert Microsoft laut eigener Lizenzdokumentation aber die Abrechnung der AI-Builder-Guthaben, mit Folgen für die tatsächlichen Kosten.
Kurzfassung
- Power Automate bündelt KI in AI Builder (vorgefertigte Modelle) und Copilot (Flows per Spracheingabe), beide über Azure OpenAI angebunden.
- Ab dem 1. November 2026 erhalten laut Microsoft neu erworbene oder verlängerte Lizenzen keine vorkonfigurierten AI-Builder-Guthaben mehr, Copilot Credits übernehmen danach die Abrechnung.
- Das betrifft Unternehmen, die Power Automate bereits über Microsoft 365 nutzen und ihre KI-Kosten für 2027 planen müssen.
Was einen KI-Baustein grundsätzlich von einer festen Automatisierungsregel unterscheidet, erklärt der Beitrag KI-Automatisierung erklärt. AI Builder und Copilot folgen genau diesem Muster: Beide ersetzen einen Schritt, an dem bisher ein Mensch lesen oder formulieren musste, der Rest des Flows bleibt gewöhnliche Regel-Automatisierung.
AI Builder: vorgefertigte Modelle für Dokumente, Text und Prompts
AI Builder liefert laut Microsofts eigener Dokumentation vorgefertigte und benutzerdefinierte Modelle, die sich ohne eigenes Training direkt in Flows und Apps einbauen lassen. Dazu zählen die Beleg-, Rechnungs- und Identitätsdokumentanalyse, Objekterkennung, Texterkennung per OCR, einfache und erweiterte Textanalyse (Stimmung, Schlüsselausdrücke, Entitäten), Textübersetzung sowie Prompts gegen ein Sprachmodell in drei Qualitätsstufen.
Jede dieser Aktionen verbraucht Credits nach einer festen Rate, die Microsoft offen dokumentiert. Die Beleg- und Rechnungsanalyse kostet 32 AI-Builder-Credits pro Seite, was beim jährlich vorausbezahlten Kapazitäts-Add-on der Stufe eins (eine Million Credits für 500 US-Dollar pro Monat) rund 0,016 US-Dollar pro Seite entspricht. Dieselbe Aktion über Copilot Credits im Pay-as-you-go-Modell kostet mit 8 Credits pro Seite zu je 0,01 US-Dollar rund 0,08 US-Dollar, das Fünffache. Wer heute auf AI-Builder-Guthaben aus einer Nutzerlizenz setzt, verarbeitet damit deutlich günstiger als jemand, der nach der Umstellung nur noch Copilot Credits kauft.
Copilot in Power Automate: Flows per Sprache, nicht für jede Sprache gleich gut
Copilot erstellt und ändert laut Microsoft Cloud-Flows anhand von Beschreibungen in natürlicher Sprache: Ein Satz wie die Aufforderung, einen Schritt zum Abrufen des eigenen Microsoft-365-Nutzerprofils hinzuzufügen, reicht laut eigener Dokumentation aus, damit Copilot den passenden Schritt einfügt. Dieselbe Technik steckt in Desktop-Flows, im Process Mining und im Automation Center.
Zwei Einschränkungen nennt Microsoft selbst. Erstens ist Copilot laut eigener Dokumentation für Englisch optimiert und unterstützt andere Sprachen nur eingeschränkt, deutsche Prompts liefern also möglicherweise schwächere Ergebnisse als englische. Zweitens schaltet Microsoft Copilot in Regionen ohne eigene GPU-Kapazität, zu denen Deutschland zählt, standardmäßig über eine aktivierte geografieübergreifende Datenfreigabe ein. Administratoren können diese Freigabe im Power Platform Admin Center auf Mandantenebene wieder deaktivieren, sie steht aber nicht von sich aus aus.
Cross-Geo-Freigabe vor dem Rollout prüfen
Wer Copilot in Power Automate nutzt, ohne die Mandanteneinstellungen geprüft zu haben, teilt möglicherweise Daten über Regionsgrenzen hinweg, ohne das bewusst entschieden zu haben. Die Einstellung lässt sich im Power Platform Admin Center einsehen und abschalten, bevor produktive Flows damit laufen.
Ende der AI-Builder-Guthaben: was ab dem 1. November 2026 gilt
Microsofts eigene Lizenzdokumentation nennt den 1. November 2026 als Stichtag für zwei Änderungen. Neu erworbene oder verlängerte Power-Platform- und Dynamics-365-Lizenzen erhalten ab diesem Datum keine vorkonfigurierten AI-Builder-Guthaben mehr, betroffen ist unter anderem die Nutzerlizenz mit unbeaufsichtigter RPA, die bisher 5.000 AI-Builder-Credits pro Monat enthielt. Bestandskunden, die ihre Lizenz vor dem Stichtag erworben oder verlängert haben, behalten ihre Guthaben bis zum Ende der laufenden Vertragslaufzeit. Eine kostenlose AI-Builder-Testversion bietet Microsoft danach ebenfalls nicht mehr an.
Praktisch heißt das: Reichen die bisherigen AI-Builder-Credits aus einer Nutzerlizenz für den eigenen Durchsatz, lohnt sich eine Verlängerung noch vor dem Stichtag. Wer erst danach einsteigt oder mehr Kapazität braucht, zahlt für denselben Durchsatz über Copilot Credits mehr, siehe die Rechnung oben.
Preise: Power Automate, AI Builder, Copilot Credits
Stand: Oktober 2026, Listenpreise laut Microsofts eigener Preisseite, zuzüglich Mehrwertsteuer.
| Plan | Preis | Abrechnung |
|---|---|---|
| Premium | 13 Euro | pro Nutzer und Monat, jährliche Abrechnung |
| Process | 130 Euro | pro Bot und Monat, jährliche Abrechnung |
| Hosted Process | 186,30 Euro | pro Bot und Monat, jährliche Abrechnung |
AI Builder und Copilot führt die Preisseite selbst nicht auf, beide laufen über das separate Credit-System aus der Lizenzdokumentation: ein AI-Builder-Kapazitäts-Add-on der Stufe eins kostet 500 US-Dollar pro Monat für eine Million Credits (jährlich vorausbezahlt), ein Copilot Credit im Pay-as-you-go-Modell 0,01 US-Dollar. Microsoft weist auf der Preisseite ausdrücklich darauf hin, dass die Angaben nur zu Marketingzwecken dienen und vom tatsächlichen Listenpreis abweichen können.
Power Automate und die EU Data Boundary
Die EU Data Boundary ist laut Microsoft ein geografisch definierter Bereich, innerhalb dessen Kundendaten und personenbezogene Daten für Dienste wie Power Automate gespeichert und verarbeitet werden. Seit November 2024 legt Microsoft neue Cloud-Flows automatisch innerhalb dieser Grenze an. Ältere, davor erstellte Flows können laut Microsoft noch pseudonymisierte personenbezogene Daten aus der EU übertragen, weil sie ursprünglich in global replizierten, nutzerspezifischen Ressourcengruppen angelegt wurden. Für die Migration dieser Altflows stellt Microsoft Administratoren ein eigenes PowerShell-Werkzeug bereit.
Wie sich diese Zusicherung zu Microsoft 365 Copilot verhält, wo Microsoft ähnliche Grenzfälle für einzelne Funktionen einräumt, zeigt der Beitrag Microsoft Copilot und die EU-Datengrenze.
Wo Power Automate KI an Grenzen kommt
Zwei Punkte bleiben unabhängig vom gebuchten Plan bestehen. AI-Builder-Aktionen zählen als Premium-Konnektor, jeder Flow, der eine davon nutzt, braucht deshalb mindestens die Premium-Lizenz, reine Microsoft-365-Nutzungsrechte reichen nicht. Und welches konkrete Sprachmodell hinter einem Prompt oder hinter Copilot steht, dokumentiert Microsoft nur als Modellklasse (einfach, standard, hochwertig), nicht als festen Modellnamen, den Mandanten selbst wählen könnten.
Für Unternehmen, deren Daten unter erhöhten Vertraulichkeitsanforderungen stehen, etwa bei Mandatsdaten oder besonders schützenswerten Vorgängen, bleibt damit offen, ob ein konkreter Flow die Daten tatsächlich in der gewünschten Region verarbeitet, solange die Mandanteneinstellungen nicht aktiv geprüft wurden. Wie diese Prüfung beim Auftragsverarbeitungsvertrag grundsätzlich abläuft, unabhängig vom konkreten Anbieter, beschreibt der Beitrag Auftragsverarbeitungsvertrag für KI-Anbieter im Detail.
Power Automate reicht nicht für deinen Ablauf? Lass uns 30 Minuten darüber sprechen
Was eine private KI-Infrastruktur dagegen technisch absichert, inklusive Modellwahl und Datenstandort unter eigener Kontrolle, ordnet der Beitrag dazu ein. Den grundsätzlichen Unterschied zwischen RPA und KI-Prozessautomatisierung, unabhängig vom Werkzeug, erklärt der Leitfaden zur KI-Prozessautomatisierung.
Power Automate KI gegen eigene Prozessautomatisierung
| Kriterium | Power Automate KI (AI Builder + Copilot) | Eigene Prozessautomatisierung |
|---|---|---|
| Enthalten in | Premium-Lizenz ab 13 Euro pro Nutzer und Monat, plus Credits | Kein Power-Automate-Tarif, eigenes Projekt |
| Guthaben-Modell | AI-Builder-Guthaben laufen zum 1. November 2026 für Neu- und Verlängerungsverträge aus | Keine Abhängigkeit von Lizenzstichtagen |
| Modellwahl und Datenstandort | Nur Modellklasse wählbar, Region laut Mandanteneinstellung | Selbst festgelegt, inklusive Datenstandort |
| Sprache von Copilot-Prompts | Für Englisch optimiert, andere Sprachen eingeschränkt | Keine Sprachbindung an ein KI-Produkt |
| Integration außerhalb von Microsoft 365 | Über vorhandene Konnektoren | Beliebig erweiterbar, inklusive Drittsysteme |
Verdict: Wann Power Automate KI reicht
Power Automate KI reicht für Unternehmen, die Microsoft 365 bereits als Arbeitsumgebung nutzen, deren Flows mit den vorhandenen Konnektoren auskommen, und die ihre AI-Builder-Guthaben vor dem 1. November 2026 noch einmal verlängern können. Die Rechenbeispiele oben zeigen, dass sich der Umstieg auf reine Copilot-Credit-Abrechnung bei hohem Dokumentenvolumen deutlich in den Kosten niederschlägt.
Eine eigene Ergänzung lohnt sich, sobald Modellwahl und Datenstandort vertraglich präzise festgelegt werden müssen, sobald ein Ablauf Systeme außerhalb von Microsoft 365 verbinden soll, oder sobald die Verarbeitung nachvollziehbar und auditierbar bleiben muss. In diesen Fällen bestimmt sonst nicht der eigene Prozess das Verhalten der KI, sondern die Grenzen des gebuchten Plans und der verbleibenden Guthaben.
Was jetzt zu tun ist
Prüf zuerst, ob deine Power-Automate-Lizenz heute noch AI-Builder-Guthaben enthält und ob sich eine Verlängerung vor dem 1. November 2026 lohnt, bevor der Umstieg auf reine Copilot-Credits unausweichlich wird. Kläre danach für Copilot in Power Automate, ob die Cross-Geo-Datenfreigabe in deinem Mandanten aktiv ist, und ob der Auftragsverarbeitungsvertrag mit Microsoft die konkreten AI-Builder- und Copilot-Funktionen ausdrücklich mit abdeckt, bevor echte Geschäftsdaten durchlaufen.